„Warum mein Name Link ist?“ – Videospiele und Empowerment junger Transgender

„Warum mein Name Link ist?“ – Videospiele und Empowerment junger Transgender

Abenteuer in Videospielen können junge Menschen stärken. Insbesondere die beliebte Reihe „The Legend of Zelda“, deren erster Teil 1986 erschien, hat nun schon mehrere Generationen geprägt. Von Anfang an fanden in der kindlichen und androgyn wirkenden Figur „Link“, die man im Spiel steuert, sowohl Jungs, Mädchen und alle dazwischen eine Identifikationsfigur. Insbesondere in der Games-Welt ist dies eine Seltenheit, wo meist muskelbepackte Rambos und aufreizende Frauencharaktere Geschlechter-Stereotype bestätigen. 2017 erschien die aktuelle Ausgabe der Zelda-Serie „Breath of the Wild“ (siehe Foto). Insbesondere ein Auftrag, den man im Spiel erfüllen muss, hat Diskussion unter Fans ausgelöst: Link muss sich als Mädchen kleiden, um in eine von Frauen dominierte Wüstenstadt eingelassen zu werden – und kann auch für den gesamten Rest des Spiels in diesem Dress herumlaufen. Was einige konservative männliche Fans und Kritiker auf die Barrikaden schickte, sorgte für Zuspruch unter vielen Mädchen und in der Transgendercommunity.

Auch Ashley Link Williams aus Wiesbaden hat eine ganz besondere Verbindung zu der Spielereihe. Für SOUL LALA hat er seine Geschichte aufgeschrieben.


“Warum mein Name vom Protagonisten der “Legend of Zelda”-Spieleserie ist, ist eine „kleine“ Sache von einer viel größeren meines Lebens. Meine Geburt war problemlos. Ich war bei bester Gesundheit, auch als junges Kleinkind war alles in Ordnung. Jetzt kommt das Aber: Ich wurde vom weiblichen, körperlichen Geschlecht geboren, mit dem Namen Ashley Williams , aber da Ashley ein geschlechtsneutraler Name ist bekam ich den Zweitnamen „Sophie“.

Ich verhielt und fühlte mich nie „weiblich“. Auch hatte ich nie Interesse an „Mädchen-Zeug“, eher an Dinos und Videospielen. Als Kind nimmt man sowas nicht wahr, aber mit der Pubertät wurde es immer schwieriger und auch der Name „Sophie“ war mir ein Dorn im Auge und gab mir eine innere Unsicherheit.

Nach Jahren wurde mir endlich klar, was „falsch“ mit mir ist. Ich wurde im falschen Körper geboren, „Transgender“ genannt. Ich hatte Schwierigkeiten mich in der Welt und mit mir selbst zu Recht zu finden. Ich entwickelte Selbsthass und Zweifel, litt an starken depressiven Phasen und zog mich, auch früher, immer in die Welt der Video Spiele zurück und war glücklich dabei, in die Rolle eines Charakters zu schlüpfen, der man nicht selbst ist.

Besonders mit der “The Legend of Zelda”-Reihe hatte ich sehr viele gute Kindheitserinnerungen, sogar heute bin ich noch ein großer Fan de Serie. Der Protagonist „Link“ diente immer als „Verbindung“ also als „Link“ zwischen dem Spieler und ihm selbst. Auch als Figur selbst mag ich Link sehr. Über Social Media-Plattformen wie Instagram konnte ich über die Zelda-Spiele viele gute Internet-Freunde finden. Da ich einen Rollenspiel-Account unter dem Namen „Link“ hatte, wurde ich meist auch so angesprochen. Auch jetzt, wenn ich den Namen „Link“ höre, reagiere ich meistens darauf.

Nach langen komplizierten und anstrengenden Jahren konnte ich endlich eine Personenstandsänderung in Angriff nehmen, um offiziell mein Geschlecht in „männlich“ zu ändern und meinen weiblichen Zweitvornamen „Sophie“ zu ersetzen. Das erste, was mir in den Kopf kam, war „Link“ – erst als kleinen Witz gedacht, aber nach weiterer Überlegung fand ich das dann doch sehr passend. Nach weiteren stressigen Therapie- und ärztlichen Terminen für „Begutachtungen“ und „Bestätigungen“ für die Änderung des Personenstandes schaffte ich es und brachte es hinter mich.

Nun bin ich Ashley Link Williams, vom männlichen Geschlecht – eine ganz neue Person!”


Foto: Peter Heuchemer

1Kommentar
  • Sebastian Domke
    Veröffentlich um 11:10h, 17 März Antworten

    Ein wertvoller Beitrag! In unserer Gesellschaft, begegnen viele Menschen denen, die anders sind, mit Vorurteilen und Ablehnung. Die meisten wissen wahrscheinlich nichteinmal, was “Transidentität” oder “Transgender” bedeuten. Ich glaube aber, dass es jenen, die die Vorurteile bedienen, leichter fällt, tiefer nachzudenken, wenn Menschen wie Ashley darüber sprechen. Unser Miteinander kann nur leichter und empathischer werden, wenn Menschen wie Ashley zu Wort kommen und Gehör finden. Ich finde es mutig und wichtig, dass er diesen Beitrag geschrieben hat und ich glaube, dass sich Menschen mit Transidentität beim Lesen verstanden fühlen. Und so mache Leser*innen, die gewöhnlich bei dem Thema abblocken, werden den Artikel hoffentlich lesen und sich ein wenig öffnen, um vielleicht einzusehen, dass es normal und gut ist, verschieden zu sein,.
    Der Beitrag ist außerdem toll geschrieben!

Kommentieren