Eine Liebesbeziehung der besonderen Art

Eine Liebesbeziehung der besonderen Art

Wir freuen uns heute über einen weiteren Gastbeitrag des Autoren Sebastian Domke. Er erzählt uns, wie er gelernt hat, sich selbst mit all seinen Fehlern anzunehmen und zu lieben.

Von dir wird erwartet, dass du dich angemessen kleidest, mit den richtigen Leuten deine Zeit verbringst und einem Job nachgehst, der stolz macht.

Erwartungen sind meist gut gemeint, oftmals jedoch nichts anderes als ein Korsett, das dein Leben formen soll.

Erwartungen beeinflussen den Lebensweg, den du einschlägst, verleiten aber dazu, dass du mehr für andere als für dich lebst.

Mein Weg war vorgezeichnet:

Abitur auf einer Wirtschaftsschule, Wehrdienst mit Bürotätigkeit, kaufmännische Ausbildung und Wirtschaftsstudium.

Bis auf das Studium hakte ich die Punkte ab, als handele es sich um eine Einkaufsliste. Ich hatte sie nicht geschrieben, und dennoch sollte sie meinem Lebensraum dienen. Einem Lebensraum, der nicht mein Lebenstraum war.

Ich war ein guter Schüler gewesen, der schließlich scheiterte. Bedingt durch Stress erkrankte ich an Schizophrenie.

Medikamente erlauben mir, klar zu denken, aber einige Symptome suchen mich unregelmäßig heim.

Nur mal angenommen, mein Leben sei eine Kneipe, in der ich als Barkeeper Gäste bediene und unterhalte:

Mr. Antriebslosigkeit bestellt bei mir den einen oder anderen Drink und hängt mit eingesackten Schultern am Tresen, völlig lethargisch, nicht mal in der Lage, das Bierglas anzuheben.

Mr. Erschöpfung jammert mit gedrückter Stimme, weil er nicht so kann, wie er will, er sieht schwarz, was die Erfüllung seiner Träume angeht.

Erst schlagen mir die düster gestimmten Gäste auf die Stimmung, aber dann lächele ich sie freundlich an und sage ihnen, dass ich sie willkommen heiße.

Ich schenke ihnen einen Drink ein und erkläre ihnen, dass sie morgen vielleicht keine Lust haben mich zu besuchen, weil Sie lieber mit Freunden kochen oder Scrabble spielen.

Und so ist es meist auch. Wenn die ungebetenen Besucher kommen, nützt es meinem Geschäft nicht, sie vor die Tür zu werfen. Ich lasse sie kommen und gehen. Sie sind Gäste, die dazugehören.

Akzeptieren und loslassen. Eine Einstellung, die entspannt.

Was hat das mit einer Liebesbeziehung zu tun?

Wenn du glücklich sein möchtest, ist es wichtig, dass du dich mit deinen Stärken und Träumen annimmst. Aber das ist noch nicht alles. Ebenso wichtig ist, dass du alles anerkennst, was dich einschränkt.

Wenn du das hinbekommst, bist du auf dem besten Weg, dich zu lieben und dem Ruf deiner Seele zu folgen.

Ob mir das gelingt?

Nicht immer. Manchmal finde ich mich zum Kotzen und bin gefrustet, fange sogar hin und wieder an, mich selbst zu bemitleiden. Aber ich mache Fortschritte.

Könnte es sein, dass wir uns alle selbst lieben, und es nur die Erwartungen und Glaubenssätze anderer sind, die die Liebe zu uns blockieren?

Selbstliebe hat übrigens nichts mit Egoismus und Überheblichkeit zu tun, vielmehr ist sie ein Leuchtfeuer, das die Menschen um dich herum mit Lebensfreude ansteckt.

Wenn du der Stimme deines Herzens folgst, spielt es keine Rolle, ob du krank und arbeitslos oder erfolgreicher Geschäftsführer bist.

Du wirst glücklich sein, weil du dich dir gegenüber verhältst wie ein liebevoller Partner.

Das ist eine Liebesbeziehung der besonderen Art. Immerhin bist du der einzige Mensch, der dein ganzes Leben mir dir zusammenlebt. Kein schlechter Grund, ja zu dir zu sagen, oder?

Sebastian Domke ist Schriftsteller und kreativer Kopf mit eigener Website unter http://tintenkuenstler.de.
Außerdem findet ihr ihn auf Facebook, Instagram und YouTube.